Barcampkultur – Lernökologie mit Potentialen zur Netzwerk- und Communitybildung?
Nachdem ich mich nun einige Monate mit dem Konferenzformat BarCamp auseinandergesetzt habe, möchte ich an dieser Stelle einen kleinen Überblick über die Ergebnisse meiner Forschung geben. Dieser Beitrag ist allerdings nur als grobe Zusammenfassung zu betrachten und wird mit Sicherheit weiterhin einige Fragen bezüglich Theorie, Methodik und Ergebnissen etc. aufwerfen. Für alle Interessierten werde ich die komplette Arbeit in den nächsten Wochen als PDF zur Verfügung stellen.
Die Idee zu der Arbeit entstand vor knapp einem Jahr, indem ich urspünglich Erfolgsfaktoren für Enstehung, Erhalt und Erfolg von Wissensgemeinschaften untersuchen wollte. Ausgehend von dieser ersten Idee landete ich letztlich über Umwege bei BarCamps. Bis dahin hatte ich lediglich das EduCamp in Ilmenau besucht, welches allerdings einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließ. Zum einen hatte ich dort viel (für mich) neues gelernt, zum anderen bekam ich einen kleinen Überblick über die Eduszene in Deutschland. Nach einigen Monaten Leerlauf und einigen weiteren BarCamps war es dann also im Mai soweit und ich meldete meine Diplomarbeit an. Im folgenden will ich kurz beschreiben welche Theorien ich meiner Arbeit zugrunde gelegt habe, welchen Bezug diese Theorien zu BarCamps haben und welche Aussagen ich letztlich auf Basis meiner Umfrage über BarCamps treffen kann.
Ausgangslange
Dass das Netz durch eine extreme Dynamik geprägt ist, die uns jeden Tag etwas neues bringt, ist unumstritten. Die Vernetzungsmöglichkeiten werden immer ausgefeilter und vielfältiger. Für jedes Problem oder jede Aufgabe gibt es ein spezielles Tool, welches einen bei der Lösung unterstützen kann; aber eben nur, wenn man das Tool auch kennt. Die klassischen Medien geraten zunehmend unter Druck, da das neue Supermedium Internet ihnen zusehends den Rang abläuft. Für den Einzelnen wird es angesichts der rasanten Entwicklung also immer schwieriger bzw. zeitintensiver sich auf dem laufenden zu halten. Viele Menschen bauen schon gewisse Abwehrmechanismen auf, da die Informationsflut schlichtweg überfordernd wirken kann. Das Social Web oder Web 2.0 trägt einerseits dazu bei, dass die Informationsfülle immer größer wird, liefert uns aber andererseits auch die Werkzeuge mit dieser Informationsflut zurechtzukommen. RSS-Reader agregrieren Nachrichten für uns, Twitter leistet ähnliches, allerdings wesentlich personalisierter etc. Allerdings kann man durchaus behaupten, dass nicht die Technologie an sich, sondern die Menschen die sie verbindet (die sie nutzen) einen Mehrwert ausmachen. Netzwerke und Communities nehmen Schlüsselpositionen ein, um in einer beschleunigten Welt zurecht zu kommen.
Im Rahmen des „Siegeszugs“ des Social Webs ist auch die Entstehung des BarCampsformats zu verorten. Es trägt das Netz zurück in die reale Welt, verknüpft digitale und reale Welten, die sich zunehmend überlagern. Als Referenzobjekt kann im Großen und Ganzen der virtuelle Raum, seine Werkzeuge, seine Technologien, seine Potentiale gesehen werden. Es scheint nicht zufällig, dass das Format seine Ursprünge im IT-Umfeld hat, wo doch genau dort die Entwicklungsgeschwindigkeit so rasant ist. Waren auf den ersten BarCamps fast ausschließlich Open-Source Technologien Gegenstand der Veranstaltungen, so schlägt sich dies direkt in den Prinzipien der Unkonferenz nieder. Das freie Gut ist nicht der Code, sondern noch viel mehr: Das Wissen. Startete das Fomat als Treffen von Entwicklern, Bloggern, Technikbegeisterten oder sonstigen Geeks, so hat es sich mittlerweile auf einer breiteren Basis durchgesetzt. Ob bei Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, Vereinen, oder Unternehmen der freien Wirtschaft, das Format gewinnt als Alternative zu traditionellen Konferenzen an Popularität. Geringe Kosten, der dynamische und informelle Charakter und die Einbeziehung einer Vielzahl an Kommunikationskanälen sowie der allgemein offene Charakter scheinen einen Mehrwert zu bieten. Bei genauerer Betrachtung stehen Konferenzen und Barcamps ungefähr zueinander wie das klassische Internet und das Web 2.0. Auf der einen Seite finden sich feste oder vorgefertigte Strukturen, wenig Interaktivität und einseitige Kommunikation – auf der anderen Seite stehen der Community-Gedanke, der ständige Austausch und das aktive Beteiligen im Vordergrund.
Das Forschungsinteresse
Im Zusammenhang mit dem „Phänomen“ BarCamp ließe sich eine Reihe interessanter Fragen stellen. Welche Rolle nehmen diese Veranstaltungen für die Teilnehmer ein? Bilden berufliche oder eher private Interessen die Motivation eines BarCampbesuchs? Wie wird die Atmosphäre auf BarCamps wahrgenommen? Sind die Veranstaltungen geeignete „Lernplattformen“, oder Lernökologien? Bilden sich dort Netzwerke zwischen den Teilnehmern, welche über das eigentliche Camp hinaus anhalten, und wenn ja, wie vernetzen sich BarCamper untereinander? Verdichten sich solche Netzwerke eventuell hin zu (Knowledge-)Communities?
Die Liste interessanter Fragestellungen ist damit längst nicht ausgeschöpft, allerdings bieten diese Fragen den Kern meiner Arbeit.
Die Theorie
Als Grundlage für die Beschäftigung mit BarCamps dienten zwei Theorien bzw. Ansätze. Zum einen die Community of Practice von Etienne Wenger, und zum anderen dem Konnektivismus von George Siemens. Während Wenger sich beim Modell der Community of Practice vor allem Lernprozessen in informellen Gemeinschaften widmet, stellt Siemens Netzwerke in den Fokus seiner Überlegungen. Allerdings ist in Siemens Theorie an vielen Stellen der einfluss durch die Community of Practice zu erkennen.
Communities of Practice
CoPs haben ihren Ursprung im realweltlichen Bereich. Eine kurze Einführung in grundlegende Züge finden sich u.A. hier und hier. Interessant ist der Ansatz vor allem dadurch, dass Lernprozesse primär in der Gemeinschaft, in einem aufeinander bezogenem Handeln verortet werden. Communities of Practice sind Gemeischaften, die ein gemeinsames Interesse, oder weiter gefasst ein gemeinsames Anliegen haben, an welchem sie gemeinsam „arbeiten“ wollen. Dieses Strukturmerkmal nennt Wenger „shared enterprise“ oder auch „Domain“.
Weiterhin entwickelt eine solche Gemeinschaft (oder Community) gemeinsames Wissen in Form einer geteilten Lernhistorie und gemeinsamen Ressourcen. Diese Ressourcen können sowohl durch gemeinsame Dokumente, aber auch beispielweise die Erinnerung an gemeisterte Probleme, geführte Diskussionen und ausgehandelte Begriffsdefinitionen bestehen. Jegliche Objekte, Routinen oder Handlungsweisen, seien sie impliziter oder expliziter Natur, bilden also Teil einer gemeinsamen Practice, welche auch als „shared repertoire“ bezeichnet werden kann.
Neben die beiden Strukturmerkmale Domain (oder „joint enterprise“) und Practice (oder “shared repertoire”) tritt das dritte Strukturmerkmal „Community“,welches durch „mutual engagement“, also aufeinander bezogenes Handeln, realisiert wird. Wichtig für die Bildung einer Community ist eine gewisse Vertrauensbasis und eine gewisse Regelmäßigkeit des Kontakts der Communitymitglieder untereinander.
Konnektivismus
Siemens beschreibt den Konnektivismus als eine „Lerntheorie für das digitale Zeitalter“. Als erkenntnistheoretische Grundlage dient ihm das Konzept des konnektiven Wissens von Stephan Downes. Siemens sieht erfolgreiches Lernen als einen Netzwerkbildungsprozess. Durch hinzufügen neuer Knoten gewinnt ein bestehenden Netzwerk an Bedeutung(en). Netzwerke können generell als interne und externe Netzwerke aufgefasst werden.
Ein internes Netzwerk ist beispielsweise unser Gehirn, in welchem das bestehende Netzwerk durch Aufbau neuer Synapsen (Verbindungsleitungen) erweitert wird, und so an Bedeutung gewinnt. Man denke an ein Gespräch in welchem neue Informationen dazu führen, dass „alte Informationen“ (bzw. bestehedes Wissen) an Bedeutung gewinnen.
Externe Netzwerke hingegen befinden sich außerhalb unseres Körpers und liegen als Verbindungen zwischen Personen (oder Computern) vor.
Entscheidend ist die Auffassung, dass das Verbinden mit neuen Knoten, seien es nun Personen außerhalb unseres Körpers oder neue „Wissensobjekte“ in unserem Kopf, als Lernprozess gesehen werden kann. Weitergehende Informationen zum Konnektivimus sind unter anderem sehr ausführlich in Siemens Buch Knowing Knowledge nachzulesen.
Siemens modelliert im Rahmen seiner Theorie einen Raum, eine sogenannte Lernökologie. Eine solche Ökologie bietet bestmögliche Voraussetzungen, dass sich dort Konnektionen bilden können. Da der Aufbau von Konnektionen für Siemens gleichbedeutend mit Lernen ist, wird von einer Lernökologie gesprochen.
Eine solche Ökologie sollte laut Siemens optimalerweise folgende Eiegnschaften besitzen:
Neben den beiden ansatzweise erläuterten Theorien fand eine Auseinandersetzung mit den Begriffen Wissen und Lernen, sowie Community und Netzwerk statt. Weiterhin wurde der Begriff der „kollektiven Intelligenz“ und damit in Verbindung stehende Ansätze untersucht.
Wesentliche Fragestellungen:
Im Zentrum der Arbeit stand die Frage, ob ein Barcamp die wesentlichen Eigenschaften einer Lernökologie trägt und ob die Wahrnehmung dieser Eigenschaften im Zusammenhang mit der Anzahl besuchter Camps steht. Außerdem wurde ermittelt, ob sich zwischen BarCampern längerfristig Kontakte bilden und welche Kontaktkanäle dabei wie intensiv genutzt werden. Es war ebenfalls von Interesse, welchen gemeinsamen Tätigkeiten die längerfristigen Kontakte nachgingen und ob diese darauf schließen lassen, dass sich über ein Netzwerk hinaus so etwas wie eine Wissensgemeinschaft bzw. Knowledge-Community entwickelt hat. Weiterhin sollte ermittelt werden, welche Web 2.0 Angebote BarCamper nutzen und wie intensiv diese Nutzung ist. Die Nutzungsintensitäten sollten mit denen aller Internetnutzer verglichen werden. Eine zusätzliche Frage beschäftigte sich damit zu vergleichen inwiefern sich die Nutzung von Web 2.0 Angeboten vor und nach dem ersten BarCamp unterscheidet.
Wesentliche Ergebnisse:
Angeklickt wurde der Fragebogen über 1200 mal. Die Beantwortung wurde jedoch über 1000 mal bereits auf der Startseite abgebrochen. Ausgewertet werden konnten letztlich 126 vollständige Fragebögen.
Das Durchschnittsalter der befragten Camper lag bei ungefähr 30 Jahren, zwei Drittel waren Männer und ein Drittel Frauen. Fast alle Befragten haben eine hohe formale Bildung. Die Motivation ein BarCamp zu besuchen konnte prozentual auf berufliches und privates Interesse aufgeteilt werden. Die Tendenz zeigt eher in Richtung beruflichen Interesses, auch wenn zusätzlich privates Interesse eine wichtige Rolle spielt. BarCamper scheinen in unterschiedlichsten Arbeitbereichen tätig zu sein. Ein Drittel der Befragten arbeitet allerdings direkt im Bereich EDV/IT/Internet/Mulitmedia.
Die Befragten hatten im Schnitt an je einem allgemeinen und einem Themencamp teilgenommen.
Lernökologie
Zwei Drittel aller Befragten nehmen jede Eigenschaft einer Lernökologie auf BarCamps wahr. Fast alle Eigenschaften einer Lernökologie werden von mehr als 80 Prozent der Barcamper wahrgenommen. Lediglich die Eigenschaft Beständigkeit sieht ein größerer Prozentsatz der Befragten als nicht gegeben.
Je mehr Baramps besucht wurden, desto stärker werden die meisten der sieben Eigenschaften einer Lernökologie auch wahrgenommen. Bezüglich der Eigenschaften „Informal und unstrukturiert“, sowie „Tool-Rich“ gibt es keine signifikanten Zusammenhänge zur Anzahl besuchter Camps. Zwischen der Bewertung der einzelnen Eigenschaften und Geschlecht, Alter sowie Branche der Befragten bestehen keine signifikanten Zusammenhänge.
Konnektives Wissen
Auf Basis des zugrunde gelegten Kriteriums wurde bei knapp über zwei Dritteln der Befragten auf Barcamps konnektives Wissen im Sinne von Downes festgestellt. Allen vier Eigenschaften (Interaktion, Diversität, Autonomie, Offenheit) welche konnektivem Wissen zugrunde liegen müssen, liegen zumindest eher vor, als dass ihr Vorliegen abgelent wird. Jeder einzelnen Eigenschaft wird von mehr als 80 Prozent der Befragten zugestimmt. Besonders stark wird das Merkmal Diversität bewertet. Die Teilnehmer scheinen also vor allem durch Interaktionen mit Personen aus anderen Arbeitsbereichen und deren unterschiedliche Perspektiven einen Wissenszuwachs zu erlangen.
Wiederum bestehen keine Zusammenhänge zwischen der Wahrnehmung der jeweiligen Eigenschaften und Geschlecht, Alter und Arbeitsbranche. Allerdings nehmen VielCamper (mehr als 3 Barcamps besucht) die Dimension „Interaktion“ signifikant stärker wahr als als Personen, welche weniger als drei Camps besucht haben.
Nutzung von Online-Communities und Web 2.0 Angeboten
Fast alle Barcamper nutzen private Online-Communities und Netzwerke. Damit nutzen sie diese höchst signifikant mehr als „normale“ Internetnutzer (34 Prozent). Bezüglich der Tätigkeiten, welchen man in solchen Netzwerken nachgehen kann, ist vor allem im Hinblick auf Informationssuche und dem Schreiben von Beiträgen und Kommentaren ein signifikanter Unterschied zwischen Barcampern und allgemeinen Onlinern festzustellen. Soweit allgemeine Onliner solche Communities und Netzwerke nutzen, stöbern diese mit gleicher Intensität wie Barcamper in Mitgliederprofilen, suchen nach Kontakten und Bekannten und schicken persönliche Nachrichten an andere Mitglieder.
Bezüglich aller erhobenen Web 2.0 Angebote (Wikipedia, Private Netzwerke, berufliche Netzwerke, Videoportale, Fotosammlungen Weblogs und Lesezeichensammlungen) ist festzustellen, dass Barcamper diese höchst signifikant häufiger nutzen als allgemeine Onliner.
Zusätzlich wurde ermittelt wie häufig Online-Communities vor und nach dem ersten BarCampbesuch benutzt, und welchen Tätigkeiten dort nachgegangen wurde. Analog wurde mit der Nutzung bestimmter Web 2.0 Angebote verfahren. Da der erste Barcampbesuch bei vielen Befragten bereits vor einigen Jahren stattfand war die Nutzungsänderung nur schwer mit dem Besuch des Barcamps in Verbindung zu bringen. Daher gingen in diesen Vergleich nur Personen ein, welche im Jahr 2009 ihr erstes Barcamp besucht hatten. Bei diesen Personen konnte eine signifikante Veränderung in der Nutzung von Weblogs und dem Microbloggingservice Twitter festegstellt werden. Da Twitter jedoch gerade 2009 extreme Zuwachsraten verzeichnete, kann hier ebenfalls nur mit sehr großer Unsicherheit davon ausgegangen werden, das ein Barcampsbesuch eine entscheidende Rolle spielte. Allerdings scheint die Interpretation naheliegend, dass die stärkere Nutzung von Weblogs durch ein Barcamp ausgelöst wurde. Es kann allerdings keine Aussage darüber getroffen werden, ob diese Nutzung aktiv, also in Form selbstverfasster Beiträge, oder passiver Natur ist.
Längerfristige Kontakte (Netzwerkbildung)
Mehr als Dreiviertel der Befragten (78%) gaben an, auch über Barcamps hinaus mit Personen in Kontakt zu stehen, auf welche sie durch ein Barcamp ausmerksam wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche langfristigen Kontakte entstehen, steht nicht im Zusammenhang mit Geschlecht, Alter oder Tätigkeitsbranche der Teilnehmer.
Das mit Abstand am meisten frequentierte Kontaktmedium stelt Twitter dar.
Die Gründe dafür, dass Kontakte über das Barcamp hinaus gehalten werden sind vielseitig. So geben 90 Prozent ein gemeinsames Interesse für ein spezielles Thema an. 80 Prozent nennen den Wissensaustausch zu einem speziellen Thema mitunter als Beweggrund. Zwischen 50 und 60 Prozent geben ähnliche Hintergründe bezüglich der beruflichen Tätigkeit, die allgemeine Zukunftsrelevanz von Kontakten, sowie das gegenseitige Vermitteln von Kontakten an. Weiterhin wird die Entstehung von persönlichen Freundschaften genannt. Es ist anzunehmen, dass Sympathie jedoch insgesamt ebenfalls eine große Rolle spielt.
Vielcamper (mehr als 3 besuchte Barcamps) geben außerdem sigifikant häufiger an, dass das gegenseitige Vermitteln von Kontakten eine Motivation darstellt.
Werden die Eigenschaften Beständigkeit, Vertrauensvoll und Einfachheit wahrgenommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das solche längerfristigen Kontakte entstehen.
Weiterhin wurde untersucht, welchen gemeinsamen Tätigkeiten diese Kontakte nachgehen. Als Tätigkeit, der am Häufigsten regelmäßig (zumindest 1 mal pro Woche) nachgegangen wird, steht das Weiterleiten von Informationen (70%). Mit einigem Abstand folgen das Kommentieren von Beiträgen der Kontakte (43%), Diskussionen über spezielle Themen (41%) und die gegenseitige Bezugnahme aufeinander in selbst verfassten Beiträgen (31%). Einige Personen geben sogar an regelmäßig gemeinsame Projekte oder Innitiativen zu organisieren (16%) oder zusammen an Wikis zu schreiben (7%).
Wissensgemeinschaften – Knowledge-Communities
Um das Wertkriterium einer Wissensgemeinschaft zu erfüllen wurde festgelegt, dass folgende Eigenschaften vorliegen müssen. Es muss (1) ein längerfritiger Kontakt über das Barcamp hinaus bestehen, es muss (2) ein gemeinsames Interesse für ein spezielles Thema vorliegen und es muss (3) Wissen zu einem speziellen Thema ausgetauscht werden.
57 Prozent der befragten Barcamper erfüllten diese Eigenschaften. Im Vergleich zu Personen, bei welchen lediglich eine längerfristige Vernetzung stattfand (also nicht alle festgelegten Eigenschaften in Wissensgemeinschaft erfüllt sind), kommunizieren die Mitglieder von Knowledge-Communities signifikant intensiver über private Netzwerke, Instant Messenger/Skype, E-Mail oder bei persönlichen Treffen.
Weiterhin wurde untersucht welchen Ausprägungsgrad solche Wissensgemeinschaften besitzen. Grundlage dafür bildeten die verschiedenen aufeinander bezogenen Tätigkeiten, welchen nachgegangen werden kann, sowie die Frequenz mit welcher dies geschieht. So wurde bespielsweise das Kommentieren von Beiträgen des anderen höher bewertet als das bloße Weiterleiten von Informationen. Ebenso wurde das gemeinsame Schreiben an Wikis höher bewertet als die Bezugnahme auf andere in selbstverfassten Beiträgen usw. Außerdem wird einzelnen Tätigkeiten mehr Bedeutung zugesprochen, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden (Regelmäßig bedeutet zumindest wöchentlich). Auf Basis dieser Wertigkeiten wurde ein numerischer Index errechnet. Bezüglich des Ausprägungsgrads der Wissensgemeinschaften zeigte sich ein ausgeglichenes Verhältnis. Jeweils ein Drittel kann als schwach, mittel und starke Wissensgemeinschaft bezeichnet werden.
Fazit
Barcamps können anscheinend durchaus geeignete Lernökologien gesehen werden. Auch für die Bildung längerfristiger Kontakte scheint die Veranstaltungsform eine gute Grundlage zu bieten. Diese Netzwerke haben häufig auch den Charakter von Wissensgemeinschaften. Barcamper sind wesentlich “internetaktiver” als allgemeine Onliner und unterscheiden sich in ihrer Wahrnehmung des Formats nicht wesentlich bezüglich Geschlecht, Alter und Arbeitsbranche.
Letztlich sind die Antworten auf viele der untersuchten Fragestellungen recht naheliegend und konnten im Vorfeld antizipiert werden. Allerdings können gewisse Aussagen über das Format nun auf eine – wenn auch dünne – empirische Basis gestellt werden.
Sobald mein Diplom in trockenen Tüchern ist werde ich die gesamte Arbeit in diesem Weblog als PDF zum Download zugänglich machen.
Ich wünsche allen eine frohe Weihnachtszeit
Marcel Bernatz
