Februar 2nd, 2010 | Tags:

Der Dezember

Jaja, der letzte Monat des ersten Jahrzehnts sollte ein ereignisreicher werden. Kurze Zusammenfassung: Heiratsantrag an Claudia (8. Dezember), Abschluss meines Studiums (16. Dezember), Feiertage, Hochzeit (28. Dezember), Abflug in die Flittermonate mit Ziel Südamerika. Nicht gerade ein ereignisloser Monat könnte man sagen. Eigentlich lief auch alles glatt, bis auf die Tatsache, dass sie unsere präferierte (weil sehr günstige) Fluggesellschaft Aircomet entschied just eine Woche vor geplantem Abflugtermin Konkurs anzumelden. Hätte ich nicht nochmal nachgeschaut, ob sich was mit der Abflugzeit geändert hätte…tja, dann wären wir mal schön blöd in Madrid gestanden. Zum Glück war dem nicht so und wir konnten noch rechtzeitig umbuchen. Diesmal nicht über Spanien, sondern via Amsterdam. Dort sollten wir dann auch noch eine Nacht verbringen, haha, aber nicht irgendwo, sondern im absolut fortschrittlichsten Hotel ever. Dem CitizenM(obile). Absolute Zukunftsgeschichte, mit Regendusche, veränderbarer Lichtstimmung (in der Dusche!!!), freiem WLAN, riesengroßer und superbequemer Spielwiese plus Multifunktionsfernbedienung, um sich auch ja nicht bewegen zu müssen um irgendwo einen Knopf zu drücken ;)

Soweit so gut, ein kleiner Abstecher in die Stadt und schon gings gut ausgeruht am nächsten Tag direkt Richtung Lima. Am Flughafen lief alles glatt soweit, der Flug war absolut erste Sahne (KLM ist nur zu empfehlen) und pünktlich wie die Maurer landeten wir um 17:50 Uhr Ortszeit (23:50 MEZ) in Lima. Ankunft, Transport ins Hostel, alles ohne irgendwelche Probleme. Im Hostel angekommen erstmal ein kleiner Schnack mit Cosy, die ich noch von meinem letzten Limaaufenthalt kannte und dann dann ab nach San Miguel in meine alte Heimat. Vania, meine damalige Gastgeberin war nicht anwesend, da sie Sylvester mit ihrem Sohn Mauricio doch lieber am Strand als im Moloch Lima verbrachte. Dafür aber ihr Bruder Sergio und weitere alte Bekannte, so dass wir das neue Jahr mit reichlich Pisco und dem mitgebrachten deutschen Bier begossen.

Der Januar

Da wir doch schon etwas gejetlegt waren (zugegeben Claudia mehr als ich) haben wurde es auch nicht sooo lange und wir lagen gegen 4 Uhr Ortszeit in unserem Bett. Die ersten Tage ließen wir es auch eher langsam angehen, legten uns ein Handy zu, ich zeigte Claudia ein bisschen von dem Stadtteil in dem ich vor 4 Jahren ja nicht unwesentlich viel Zeit verbrachte und schwupps, mussten wir aus Bleibe Nummer 1 auch schon wieder auschecken, da ich ursprünglich nur für 2 Tage gebucht hatte. Aber alles kein Problem, da eine gute Freundin uns ein Zimmer in einem Hostel (eher eine WG) vermittelte, in der auch sie wohnte. Und siehe da, nicht nur sie, sondern auch Ariday, ein alter Bekannter, der vor 2 Jahren ein Jahr zum Auslandsstudium in Ilmenau verbrachte. Die Gesellschaft war also gesichert. Am Lustigsten war eigentlich der Moment, als wir unsere Bleibe (die Casa Roja) betraten. Erster Gedanke: „Moment…sind wir gerade in Indien oder in Peru??“ Das komplette Haus voll mit Bildern und Statuen indischer Götter. Aufklärung verschaffte die Tatsache, dass uns Graciella, die Hausherrin erklärte, dass sie dem Glauben der Hare Krishna angehörte. Irgendwie bleibt uns Indien erhalten (zur Erinnerung: Claudia und ich haben uns dort kennengelernt).
Die folgenden Tage sollten wir dort in unserer ganz persönlichen Honeymoon-Suite verbringen. Und dieses Attribut ist nicht zu stark, um unser Zimmer zu beschreiben. Riesengroß mit mehreren Fenstern, ein Ankleideraum, sowie ein sehr großzügiges Bad mit einer riesengroßen Badewanne. Außerdem waren wir natürlich auch unterwegs und innerhalb von 3 Tagen konnte ich Claudia eigentlich auch fast alles zeigen, was es sich wirklich lohnt in Lima anzuschauen. Mir blieb der Eindruck, dass sich die Stadt doch sehr zum Positiven verändert hat. Wesentlich mehr Grünflächen, neu geteerte Straßen etc. Außerdem erinnerte mich Limas Zentrum so ganz und garnicht an meinen ersten Besuch. Wesentlich sauberer, weniger gefährlich wirkende Gestalten unterwegs und sogar Rimac, der an den Regierungspalast angrenzende Bezirk, welcher früher doch ziemlich prenzlig war, wirkte aufgeräumt, sauber und……irgendwie harmlos. Naja…Dinge ändern sich. Claudias Kommentar: „Was erzählst du mir denn für Geschichten…hier ist es doch soo nett…und so….GRÜÜÜN. Unglaublich, nicht das Lima was ich kannte. Am meisten geschockt hat mich jedoch die Tatsache, dass die Busse, welche man früher einfach mit der Hand zum anhalten brachte mittlerweile nur noch an extra ausgezeichneten Haltestellen anhalten. Außerdem kann man den Bus von innen auch nicht mehr mit einem „Baja!“, einem „Baja esquina“ oder ähnlichem zum Halten bringen. UND DAS SOLL LIMA SEIN???? Was haben die mit der Stadt gemacht. Naja…muss ja nicht schlechter sein, nur weils anders ist wa…Dinge verändern sich halt. Und plötzlich sehe ich ein großes Schild vor mir, welches es auf den Punkt bringt: „El Peru avanza“ (Peru geht nach vorne!)

Pisco, Islas Ballestas

Erster Halt nach Lima war Pisco. Einerseits bekannt durch den gleichnamigen Traubenschnaps, aber vielen sicher noch in Verbindung mit einem verheerenden Erdbeben im Jahr 2007 ein Begriff. Damals wurden 85 Prozent aller Häuser Piscos zerstört. Beim Spaziergang rund um den Plaza de Armas (Stadtzentrum) kann man dies auch deutlich erkennen. Ein großer freier Raum auf einer Seite des Plazas lässt vermuten, dass dieser einst bebaut war. Auf Nachfrage erfahren wir, dass dort die 300 Jahre alte Kathedrale von Pisco stand.
Viel mehr ist über die doch recht unspektakuläre Stadt auch nicht zu sagen. Unser Ziel waren die Islas Ballestas, welche in unmittelbarer Nähe zu Pisco bzw der nahegelegenen Halbinsel Paracas ca 30 km vor der Küste Perus liegen. Diese werden auch „Klein-Galapagos“ genannt, da sich auf ihnen eine Vielfalt verschiedenster Seevögel, Seelöwen und – jetzt kommts – Pinguine befinden. Dass diese sich an einem doch so unerwarteten Platz heimisch fühlen, hängt vor allem damit zusammen, dass der dortige Meeresstrom, der Humboldtstrom, sehr kaltes Wasser führt. Weiterhin weist der Name auf diesen Zusammenhang hin – sie heißen Humboldtpinguine.

Ica, Huacachina

Nach diesem „Tagestrip“ auf die Islas Ballestas gings ins ca 50 km südlicher entfernte in mitten der Wüste gelegene Ica. Eigentlich war nur die Ankunft in Ica, denn von dort aus machten wir uns sofort mit dem Taxi auf nach Huacachina. Diese nur 3 km von Ica entfernte Oase liegt in Mitten der Sanddünen und vermittelt den Eindruck man wäre gerade irgendwo in der Sahara in Nordafrika.
In dieser Idylle haben wir es dann auch ca. 5 Tage mit Temperaturen um die 30 Grad, einem hübschen Garten mit Pool und diversen Papageien, Pisco und netter Gesellschaft ausgehalten. Insbesondere Kike, unser Host, Giancarlo ein Anwalt aus Ica, sowie Mercedes und Ariel, ein Pärchen aus Buenos Aires waren echt sehr gute Feierkumpane in der Wüste. Allerdings war es dann irgendwann doch wieder Zeit weiterzuziehen. Unser Abschied wurde allerdings natürlich noch gebührend mit Pisco begossen (ich wusste nicht, dass ich soviel Schnaps trinken kann).

Arequipa, die weiße Stadt

Nach einer doch recht angenehmen ca. 12-stündigen Fahrt führte uns die Reise langsam weg von der doch recht trockenen und weitestgehend durch Brauntöne geprägten Westseite der Anden. Das Ziel hieß Arequipa, ihres Zeichens zweitgrößte Stadt Perus und intellektuelles Zentrum des Landes. Der Beiname „weiße Stadt“ beruht darauf, dass die Gebäude der Stadt zu großen Teilen aus weißem Vulkangestein gebaut ist, welches dem „Hausberg“ (bzw. Dem Hausvulkan) Misti entnommen wurde. Leider war der Misti während unserer Tage in Arequipa größtenteils durch Wolken verdeckt, was der Tatsache geschuldet ist, dass Januar und Februar im Hochland der Anden doch eher mit „Regenzeit“ gleichzusetzen sind. Wenn er sich vor allem am Morgen dann doch einmal kurz von seinen Wolken befreite, konnte man seine majestätische Wirkung auf die Stadt spüren. Kein Wunder bei einem knapp 6000m hohen Vulkan in unmittelbarer Nähe zu einer auf ca. 2000m Höhe gelegenen Stadt. In Arequipa hatten wir auch gleich noch eine andere Sache zu regeln, welche aus einem dummen Missgeschick in Huacachina resultierte. Dummerweise fiel mir dort Claudias Camera aus der Hand und das Objektiv ließ sich nicht mehr ein- und ausfahren. Glücklicherweise, und nach mehreren Stoßgebeten Richtung Universum ließ sich die Camera jedoch von der ortansässigen Sony-Vertragswerkstatt für ein Entgelt von 100 Soles (ca. 25 Euro) reparieren…gracias a dios. Zu Arequipa ist weiter zu sagen, dass es doch zu den schönsten Städten Perus zu zählen ist. Der dortige Plaza de Armas, umrundet von seinen im Kolonialstil geprägten Häusern und der blütenweißen Kathedrale, ist doch wirklich sehr eindrucksvoll. Vor allem in der Dämmerung geben einem die Lichtverhältnisse das Gefühl alles durch einen Sepiafilter zu betrachten. Lustigerweise trafen wir in Arequipa auch wieder Ariel und Mercedes aus Buenos Aires mit denen wir echt lustige Tage (mit vielen vielen Partien Kniffel und einigen kühlen Bier) in Arequipa verbrachten. Da die Gesellschaft doch allzu angenehm war, beschlossen wir unser eigentliches nächstes Reiseziel zu canceln und mit den beiden nach Cusco, in die Hauptstadt des alten Inkareichs zu fahren.

Cusco

Die alte Hauptstadt des sich von Nordargentinien bis Südkolumbien erstreckenden Inkareichs liegt auf ca. 3300 m über dem Meeresspiegel und ist von einer ausladenden grünen Berglandschaft eingekesselt. Wie schon bei meinen ersten Besuchen 2005 und 2006 zog mich die Stadt direkt bei der Ankunft in ihren Bann. Claudia ging es da ähnlich, obwohl sie doch vor allem die ersten beiden Tage ziemlich mit der Höhe zu kämpfen hatte. Das Atmen fällt doch schon bedeutend schwerer, …und mal ehrlich: Wann hält man sich den in Europa schon mal längere Zeit auf Höhen über 3000m auf? Spätestens hier wurde uns klar, dass es sehr sinnvoll war langsam, in kleinen Schritten ins Hochland zu fahren. Unser ursprüngliches Ziel, die Stadt Puno am Titicacsee liegt auf knapp 4000 m!!
Cuscos Magie ist wirklich einzigartig, auch wenn die Stadt doch schon sehr „touristifiziert“ ist. Der Flair der alten Inkagemäuer und die Berglandschaft rings um die Stadt herum hinterlassen ein dauerhaftes Gänsehautgefühl. Zur Zeit ist die Stadt von Argentiniern bevölkert, da diese den ganzen Januar über Sommerferien haben und Peru (und hier insbesondere Cusco) zu den beliebsten Reisezielen gehört. Zu unserem, fast täglichen Rhythmus gehörte es zum Frühstück auf den Mercado San Pedro (San Pedro-Markt) zu gehen. In der halboffenen Markthalle ist von Kleidern, Obst und Gemüse, sonstigen Lebensmitteln, Fruchtsäften (ein ganzer Teil des Marktes besteht nur aus Fruchtsaftständen), über Frühstück und Mittagessen eigentlich fast alles erhältlich was das Herz begehrt. Einziger negativer Aspekt ist im Moment allerdings, dass wir uns in der „Hauptregensaison“ befinden und es in den letzten Tagen doch nicht gerade selten mehrerer Stunden heftig regnete. Dies ist auch einer der Gründe, dass wir in diesen Tag nicht zum nahegelegenen Macchu Pichu aufbrechen werden, sondern diesen Besuch auf März verschieben werden, wenn die Regenzeit langsam auf ihr Ende zugeht.
Nächstes Ziel: Der Wahlfahrtsort Copacabana (Bolivien) und die Geburtstätte des ersten Inkas, die Isla del Sol im Titicacasee.

Soweit der erste Reisebericht, weitere werden folgen. Liebe Grüße an alle Daheimgebliebenen. Wir schicken euch ein bisschen Sonne hier aus dem Süden ;)

Claudia und Marcel

Diplomarbeit “Barcampkultur – Eine Lernoekologie mit Potentialen zur Netzwerk- und Communitybildung?” zum Download als PDF.

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Barcampkultur – Lernoekologie mit Potentialen zur Community- und Netzwerkbildung? von Marcel Bernatz steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz

Nachdem ich mich nun einige Monate mit dem Konferenzformat BarCamp auseinandergesetzt habe, möchte ich an dieser Stelle einen kleinen Überblick über die Ergebnisse meiner Forschung geben. Dieser Beitrag ist allerdings nur als grobe Zusammenfassung zu betrachten und wird mit Sicherheit weiterhin einige Fragen bezüglich Theorie, Methodik und Ergebnissen etc. aufwerfen. Für alle Interessierten werde ich die komplette Arbeit in den nächsten Wochen als PDF zur Verfügung stellen.

Die Idee zu der Arbeit entstand vor knapp einem Jahr, indem ich urspünglich Erfolgsfaktoren für Enstehung, Erhalt und Erfolg von Wissensgemeinschaften untersuchen wollte. Ausgehend von dieser ersten Idee landete ich letztlich über Umwege bei BarCamps. Bis dahin hatte ich lediglich das EduCamp in Ilmenau besucht, welches allerdings einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließ. Zum einen hatte ich dort viel (für mich) neues gelernt, zum anderen bekam ich einen kleinen Überblick über die Eduszene in Deutschland. Nach einigen Monaten Leerlauf und einigen weiteren BarCamps war es dann also im Mai soweit und ich meldete meine Diplomarbeit an. Im folgenden will ich kurz beschreiben welche Theorien ich meiner Arbeit zugrunde gelegt habe, welchen Bezug diese Theorien zu BarCamps haben und welche Aussagen ich letztlich auf Basis meiner Umfrage über BarCamps treffen kann.

Ausgangslange

Dass das Netz durch eine extreme Dynamik geprägt ist, die uns jeden Tag etwas neues bringt, ist unumstritten. Die Vernetzungsmöglichkeiten werden immer ausgefeilter und vielfältiger. Für jedes Problem oder jede Aufgabe gibt es ein spezielles Tool, welches einen bei der Lösung unterstützen kann; aber eben nur, wenn man das Tool auch kennt. Die klassischen Medien geraten zunehmend unter Druck, da das neue Supermedium Internet ihnen zusehends den Rang abläuft. Für den Einzelnen wird es angesichts der rasanten Entwicklung also immer schwieriger bzw. zeitintensiver sich auf dem laufenden zu halten. Viele Menschen bauen schon gewisse Abwehrmechanismen auf, da die Informationsflut schlichtweg überfordernd wirken kann. Das Social Web oder Web 2.0 trägt einerseits dazu bei, dass die Informationsfülle immer größer wird, liefert uns aber andererseits auch die Werkzeuge mit dieser Informationsflut zurechtzukommen. RSS-Reader agregrieren Nachrichten für uns, Twitter leistet ähnliches, allerdings wesentlich personalisierter etc. Allerdings kann man durchaus behaupten, dass nicht die Technologie an sich, sondern die Menschen die sie verbindet (die sie nutzen) einen Mehrwert ausmachen. Netzwerke und Communities nehmen Schlüsselpositionen ein, um in einer beschleunigten Welt zurecht zu kommen.

Im Rahmen des „Siegeszugs“ des Social Webs ist auch die Entstehung des BarCampsformats zu verorten. Es trägt das Netz zurück in die reale Welt, verknüpft digitale und reale Welten, die sich zunehmend überlagern. Als Referenzobjekt kann im Großen und Ganzen der virtuelle Raum, seine Werkzeuge, seine Technologien, seine Potentiale gesehen werden. Es scheint nicht zufällig, dass das Format seine Ursprünge im IT-Umfeld hat, wo doch genau dort die Entwicklungsgeschwindigkeit so rasant ist. Waren auf den ersten BarCamps fast ausschließlich Open-Source Technologien Gegenstand der Veranstaltungen, so schlägt sich dies direkt in den Prinzipien der Unkonferenz nieder. Das freie Gut ist nicht der Code, sondern noch viel mehr: Das Wissen. Startete das Fomat als Treffen von Entwicklern, Bloggern, Technikbegeisterten oder sonstigen Geeks, so hat es sich mittlerweile auf einer breiteren Basis durchgesetzt. Ob bei Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, Vereinen, oder Unternehmen der freien Wirtschaft, das Format gewinnt als Alternative zu traditionellen Konferenzen an Popularität. Geringe Kosten, der dynamische und informelle Charakter und die Einbeziehung einer Vielzahl an Kommunikationskanälen sowie der allgemein offene Charakter scheinen einen Mehrwert zu bieten. Bei genauerer Betrachtung stehen Konferenzen und Barcamps ungefähr zueinander wie das klassische Internet und das Web 2.0. Auf der einen Seite finden sich feste oder vorgefertigte Strukturen, wenig Interaktivität und einseitige Kommunikation – auf der anderen Seite stehen der Community-Gedanke, der ständige Austausch und das aktive Beteiligen im Vordergrund.

Das Forschungsinteresse

Im Zusammenhang mit dem „Phänomen“ BarCamp ließe sich eine Reihe interessanter Fragen stellen. Welche Rolle nehmen diese Veranstaltungen für die Teilnehmer ein? Bilden berufliche oder eher private Interessen die Motivation eines BarCampbesuchs? Wie wird die Atmosphäre auf BarCamps wahrgenommen? Sind die Veranstaltungen geeignete „Lernplattformen“, oder Lernökologien? Bilden sich dort Netzwerke zwischen den Teilnehmern, welche über das eigentliche Camp hinaus anhalten, und wenn ja, wie vernetzen sich BarCamper untereinander? Verdichten sich solche Netzwerke eventuell hin zu (Knowledge-)Communities?
Die Liste interessanter Fragestellungen ist damit längst nicht ausgeschöpft, allerdings bieten diese Fragen den Kern meiner Arbeit.

Die Theorie

Als Grundlage für die Beschäftigung mit BarCamps dienten zwei Theorien bzw. Ansätze. Zum einen die Community of Practice von Etienne Wenger, und zum anderen dem Konnektivismus von George Siemens. Während Wenger sich beim Modell der Community of Practice vor allem Lernprozessen in informellen Gemeinschaften widmet, stellt Siemens Netzwerke in den Fokus seiner Überlegungen. Allerdings ist in Siemens Theorie an vielen Stellen der einfluss durch die Community of Practice zu erkennen.

Communities of Practice

CoPs haben ihren Ursprung im realweltlichen Bereich. Eine kurze Einführung in grundlegende Züge finden sich u.A. hier und hier. Interessant ist der Ansatz vor allem dadurch, dass Lernprozesse primär in der Gemeinschaft, in einem aufeinander bezogenem Handeln verortet werden. Communities of Practice sind Gemeischaften, die ein gemeinsames Interesse, oder weiter gefasst ein gemeinsames Anliegen haben, an welchem sie gemeinsam „arbeiten“ wollen. Dieses Strukturmerkmal nennt Wenger „shared enterprise“ oder auch „Domain“.
Weiterhin entwickelt eine solche Gemeinschaft (oder Community) gemeinsames Wissen in Form einer geteilten Lernhistorie und gemeinsamen Ressourcen. Diese Ressourcen können sowohl durch gemeinsame Dokumente, aber auch beispielweise die Erinnerung an gemeisterte Probleme, geführte Diskussionen und ausgehandelte Begriffsdefinitionen bestehen. Jegliche Objekte, Routinen oder Handlungsweisen, seien sie impliziter oder expliziter Natur, bilden also Teil einer gemeinsamen Practice, welche auch als „shared repertoire“ bezeichnet werden kann.
Neben die beiden Strukturmerkmale Domain (oder „joint enterprise“) und Practice (oder “shared repertoire”) tritt das dritte Strukturmerkmal „Community“,welches durch „mutual engagement“, also aufeinander bezogenes Handeln, realisiert wird. Wichtig für die Bildung einer Community ist eine gewisse Vertrauensbasis und eine gewisse Regelmäßigkeit des Kontakts der Communitymitglieder untereinander.

Konnektivismus

Siemens beschreibt den Konnektivismus als eine „Lerntheorie für das digitale Zeitalter“. Als erkenntnistheoretische Grundlage dient ihm das Konzept des konnektiven Wissens von Stephan Downes. Siemens sieht erfolgreiches Lernen als einen Netzwerkbildungsprozess. Durch hinzufügen neuer Knoten gewinnt ein bestehenden Netzwerk an Bedeutung(en). Netzwerke können generell als interne und externe Netzwerke aufgefasst werden.
Ein internes Netzwerk ist beispielsweise unser Gehirn, in welchem das bestehende Netzwerk durch Aufbau neuer Synapsen (Verbindungsleitungen) erweitert wird, und so an Bedeutung gewinnt. Man denke an ein Gespräch in welchem neue Informationen dazu führen, dass „alte Informationen“ (bzw. bestehedes Wissen) an Bedeutung gewinnen.
Externe Netzwerke hingegen befinden sich außerhalb unseres Körpers und liegen als Verbindungen zwischen Personen (oder Computern) vor.

Entscheidend ist die Auffassung, dass das Verbinden mit neuen Knoten, seien es nun Personen außerhalb unseres Körpers oder neue „Wissensobjekte“ in unserem Kopf, als Lernprozess gesehen werden kann. Weitergehende Informationen zum Konnektivimus sind unter anderem sehr ausführlich in Siemens Buch Knowing Knowledge nachzulesen.
Siemens modelliert im Rahmen seiner Theorie einen Raum, eine sogenannte Lernökologie. Eine solche Ökologie bietet bestmögliche Voraussetzungen, dass sich dort Konnektionen bilden können. Da der Aufbau von Konnektionen für Siemens gleichbedeutend mit Lernen ist, wird von einer Lernökologie gesprochen.
Eine solche Ökologie sollte laut Siemens optimalerweise folgende Eiegnschaften besitzen:

  • Unstrukturiert und informell
  • Tool-Rich
  • Beständig
  • Vertrauensvoll
  • Einfach
  • dezentralisiert, förderlich, verbunden
  • Fehler- und Experimentiertolerant
  • Neben den beiden ansatzweise erläuterten Theorien fand eine Auseinandersetzung mit den Begriffen Wissen und Lernen, sowie Community und Netzwerk statt. Weiterhin wurde der Begriff der „kollektiven Intelligenz“ und damit in Verbindung stehende Ansätze untersucht.

    Wesentliche Fragestellungen:

    Im Zentrum der Arbeit stand die Frage, ob ein Barcamp die wesentlichen Eigenschaften einer Lernökologie trägt und ob die Wahrnehmung dieser Eigenschaften im Zusammenhang mit der Anzahl besuchter Camps steht. Außerdem wurde ermittelt, ob sich zwischen BarCampern längerfristig Kontakte bilden und welche Kontaktkanäle dabei wie intensiv genutzt werden. Es war ebenfalls von Interesse, welchen gemeinsamen Tätigkeiten die längerfristigen Kontakte nachgingen und ob diese darauf schließen lassen, dass sich über ein Netzwerk hinaus so etwas wie eine Wissensgemeinschaft bzw. Knowledge-Community entwickelt hat. Weiterhin sollte ermittelt werden, welche Web 2.0 Angebote BarCamper nutzen und wie intensiv diese Nutzung ist. Die Nutzungsintensitäten sollten mit denen aller Internetnutzer verglichen werden. Eine zusätzliche Frage beschäftigte sich damit zu vergleichen inwiefern sich die Nutzung von Web 2.0 Angeboten vor und nach dem ersten BarCamp unterscheidet.

    Wesentliche Ergebnisse:

    Angeklickt wurde der Fragebogen über 1200 mal. Die Beantwortung wurde jedoch über 1000 mal bereits auf der Startseite abgebrochen. Ausgewertet werden konnten letztlich 126 vollständige Fragebögen.
    Das Durchschnittsalter der befragten Camper lag bei ungefähr 30 Jahren, zwei Drittel waren Männer und ein Drittel Frauen. Fast alle Befragten haben eine hohe formale Bildung. Die Motivation ein BarCamp zu besuchen konnte prozentual auf berufliches und privates Interesse aufgeteilt werden. Die Tendenz zeigt eher in Richtung beruflichen Interesses, auch wenn zusätzlich privates Interesse eine wichtige Rolle spielt. BarCamper scheinen in unterschiedlichsten Arbeitbereichen tätig zu sein. Ein Drittel der Befragten arbeitet allerdings direkt im Bereich EDV/IT/Internet/Mulitmedia.
    Die Befragten hatten im Schnitt an je einem allgemeinen und einem Themencamp teilgenommen.

    Lernökologie

    Zwei Drittel aller Befragten nehmen jede Eigenschaft einer Lernökologie auf BarCamps wahr. Fast alle Eigenschaften einer Lernökologie werden von mehr als 80 Prozent der Barcamper wahrgenommen. Lediglich die Eigenschaft Beständigkeit sieht ein größerer Prozentsatz der Befragten als nicht gegeben.
    Je mehr Baramps besucht wurden, desto stärker werden die meisten der sieben Eigenschaften einer Lernökologie auch wahrgenommen. Bezüglich der Eigenschaften „Informal und unstrukturiert“, sowie „Tool-Rich“ gibt es keine signifikanten Zusammenhänge zur Anzahl besuchter Camps. Zwischen der Bewertung der einzelnen Eigenschaften und Geschlecht, Alter sowie Branche der Befragten bestehen keine signifikanten Zusammenhänge.

    Konnektives Wissen

    Auf Basis des zugrunde gelegten Kriteriums wurde bei knapp über zwei Dritteln der Befragten auf Barcamps konnektives Wissen im Sinne von Downes festgestellt. Allen vier Eigenschaften (Interaktion, Diversität, Autonomie, Offenheit) welche konnektivem Wissen zugrunde liegen müssen, liegen zumindest eher vor, als dass ihr Vorliegen abgelent wird. Jeder einzelnen Eigenschaft wird von mehr als 80 Prozent der Befragten zugestimmt. Besonders stark wird das Merkmal Diversität bewertet. Die Teilnehmer scheinen also vor allem durch Interaktionen mit Personen aus anderen Arbeitsbereichen und deren unterschiedliche Perspektiven einen Wissenszuwachs zu erlangen.
    Wiederum bestehen keine Zusammenhänge zwischen der Wahrnehmung der jeweiligen Eigenschaften und Geschlecht, Alter und Arbeitsbranche. Allerdings nehmen VielCamper (mehr als 3 Barcamps besucht) die Dimension „Interaktion“ signifikant stärker wahr als als Personen, welche weniger als drei Camps besucht haben.

    Nutzung von Online-Communities und Web 2.0 Angeboten

    Fast alle Barcamper nutzen private Online-Communities und Netzwerke. Damit nutzen sie diese höchst signifikant mehr als „normale“ Internetnutzer (34 Prozent). Bezüglich der Tätigkeiten, welchen man in solchen Netzwerken nachgehen kann, ist vor allem im Hinblick auf Informationssuche und dem Schreiben von Beiträgen und Kommentaren ein signifikanter Unterschied zwischen Barcampern und allgemeinen Onlinern festzustellen. Soweit allgemeine Onliner solche Communities und Netzwerke nutzen, stöbern diese mit gleicher Intensität wie Barcamper in Mitgliederprofilen, suchen nach Kontakten und Bekannten und schicken persönliche Nachrichten an andere Mitglieder.

    Bezüglich aller erhobenen Web 2.0 Angebote (Wikipedia, Private Netzwerke, berufliche Netzwerke, Videoportale, Fotosammlungen Weblogs und Lesezeichensammlungen) ist festzustellen, dass Barcamper diese höchst signifikant häufiger nutzen als allgemeine Onliner.

    Zusätzlich wurde ermittelt wie häufig Online-Communities vor und nach dem ersten BarCampbesuch benutzt, und welchen Tätigkeiten dort nachgegangen wurde. Analog wurde mit der Nutzung bestimmter Web 2.0 Angebote verfahren. Da der erste Barcampbesuch bei vielen Befragten bereits vor einigen Jahren stattfand war die Nutzungsänderung nur schwer mit dem Besuch des Barcamps in Verbindung zu bringen. Daher gingen in diesen Vergleich nur Personen ein, welche im Jahr 2009 ihr erstes Barcamp besucht hatten. Bei diesen Personen konnte eine signifikante Veränderung in der Nutzung von Weblogs und dem Microbloggingservice Twitter festegstellt werden. Da Twitter jedoch gerade 2009 extreme Zuwachsraten verzeichnete, kann hier ebenfalls nur mit sehr großer Unsicherheit davon ausgegangen werden, das ein Barcampsbesuch eine entscheidende Rolle spielte. Allerdings scheint die Interpretation naheliegend, dass die stärkere Nutzung von Weblogs durch ein Barcamp ausgelöst wurde. Es kann allerdings keine Aussage darüber getroffen werden, ob diese Nutzung aktiv, also in Form selbstverfasster Beiträge, oder passiver Natur ist.

    Längerfristige Kontakte (Netzwerkbildung)

    Mehr als Dreiviertel der Befragten (78%) gaben an, auch über Barcamps hinaus mit Personen in Kontakt zu stehen, auf welche sie durch ein Barcamp ausmerksam wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche langfristigen Kontakte entstehen, steht nicht im Zusammenhang mit Geschlecht, Alter oder Tätigkeitsbranche der Teilnehmer.
    Das mit Abstand am meisten frequentierte Kontaktmedium stelt Twitter dar.

    Die Gründe dafür, dass Kontakte über das Barcamp hinaus gehalten werden sind vielseitig. So geben 90 Prozent ein gemeinsames Interesse für ein spezielles Thema an. 80 Prozent nennen den Wissensaustausch zu einem speziellen Thema mitunter als Beweggrund. Zwischen 50 und 60 Prozent geben ähnliche Hintergründe bezüglich der beruflichen Tätigkeit, die allgemeine Zukunftsrelevanz von Kontakten, sowie das gegenseitige Vermitteln von Kontakten an. Weiterhin wird die Entstehung von persönlichen Freundschaften genannt. Es ist anzunehmen, dass Sympathie jedoch insgesamt ebenfalls eine große Rolle spielt.
    Vielcamper (mehr als 3 besuchte Barcamps) geben außerdem sigifikant häufiger an, dass das gegenseitige Vermitteln von Kontakten eine Motivation darstellt.

    Werden die Eigenschaften Beständigkeit, Vertrauensvoll und Einfachheit wahrgenommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das solche längerfristigen Kontakte entstehen.

    Weiterhin wurde untersucht, welchen gemeinsamen Tätigkeiten diese Kontakte nachgehen. Als Tätigkeit, der am Häufigsten regelmäßig (zumindest 1 mal pro Woche) nachgegangen wird, steht das Weiterleiten von Informationen (70%). Mit einigem Abstand folgen das Kommentieren von Beiträgen der Kontakte (43%), Diskussionen über spezielle Themen (41%) und die gegenseitige Bezugnahme aufeinander in selbst verfassten Beiträgen (31%). Einige Personen geben sogar an regelmäßig gemeinsame Projekte oder Innitiativen zu organisieren (16%) oder zusammen an Wikis zu schreiben (7%).

    Wissensgemeinschaften – Knowledge-Communities

    Um das Wertkriterium einer Wissensgemeinschaft zu erfüllen wurde festgelegt, dass folgende Eigenschaften vorliegen müssen. Es muss (1) ein längerfritiger Kontakt über das Barcamp hinaus bestehen, es muss (2) ein gemeinsames Interesse für ein spezielles Thema vorliegen und es muss (3) Wissen zu einem speziellen Thema ausgetauscht werden.
    57 Prozent der befragten Barcamper erfüllten diese Eigenschaften. Im Vergleich zu Personen, bei welchen lediglich eine längerfristige Vernetzung stattfand (also nicht alle festgelegten Eigenschaften in Wissensgemeinschaft erfüllt sind), kommunizieren die Mitglieder von Knowledge-Communities signifikant intensiver über private Netzwerke, Instant Messenger/Skype, E-Mail oder bei persönlichen Treffen.

    Weiterhin wurde untersucht welchen Ausprägungsgrad solche Wissensgemeinschaften besitzen. Grundlage dafür bildeten die verschiedenen aufeinander bezogenen Tätigkeiten, welchen nachgegangen werden kann, sowie die Frequenz mit welcher dies geschieht. So wurde bespielsweise das Kommentieren von Beiträgen des anderen höher bewertet als das bloße Weiterleiten von Informationen. Ebenso wurde das gemeinsame Schreiben an Wikis höher bewertet als die Bezugnahme auf andere in selbstverfassten Beiträgen usw. Außerdem wird einzelnen Tätigkeiten mehr Bedeutung zugesprochen, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden (Regelmäßig bedeutet zumindest wöchentlich). Auf Basis dieser Wertigkeiten wurde ein numerischer Index errechnet. Bezüglich des Ausprägungsgrads der Wissensgemeinschaften zeigte sich ein ausgeglichenes Verhältnis. Jeweils ein Drittel kann als schwach, mittel und starke Wissensgemeinschaft bezeichnet werden.

    Fazit

    Barcamps können anscheinend durchaus geeignete Lernökologien gesehen werden. Auch für die Bildung längerfristiger Kontakte scheint die Veranstaltungsform eine gute Grundlage zu bieten. Diese Netzwerke haben häufig auch den Charakter von Wissensgemeinschaften. Barcamper sind wesentlich “internetaktiver” als allgemeine Onliner und unterscheiden sich in ihrer Wahrnehmung des Formats nicht wesentlich bezüglich Geschlecht, Alter und Arbeitsbranche.

    Letztlich sind die Antworten auf viele der untersuchten Fragestellungen recht naheliegend und konnten im Vorfeld antizipiert werden. Allerdings können gewisse Aussagen über das Format nun auf eine – wenn auch dünne – empirische Basis gestellt werden.

    Sobald mein Diplom in trockenen Tüchern ist werde ich die gesamte Arbeit in diesem Weblog als PDF zum Download zugänglich machen.

    Ich wünsche allen eine frohe Weihnachtszeit ;)

    Marcel Bernatz

    Mai 15th, 2009 | Tags: , ,

    Über einen Tweet wurde ich auf die Konferenz “Hack the education” aufmerksam , die in New York stattfand. Das Transkript gibt einen Überblick über die Themen. Ein sehr lesenswerter Artikel über die Zukunft der Bildung und die Vision einer “Null-Kosten-Bildung”. Spannendes Thema!

    In den Kommentaren bin ich auf den Link zu folgendem Video gestoßen. Vielleicht ab und an ein bisschen verwackelt, aber es regt doch zum Nachdenken an. Sieht so das Leben eines heutigen Studenten aus? Meiner Meinung nach teils teils. Dafür gibt es immer noch zu viele Technikverneiner (zumindest kenne ich noch einen Haufen in meinem Umfeld). Wirklich interessant finde ich den Aspekt des Information-Overload der mitschwinkt. Ich persönlich schaue dem nämlich jeden Tag aufs neue ins Auge und konstruiere mir immer wieder neue Filterstrategien. Die richtige hab ich noch nicht gefunden :)

    Genug geschrieben jetzt, am besten einfach das Video mal anschauen. Viel Spaß dabei!!

    April 30th, 2009 | Tags: , , ,

    Am Wochenende vom 17. – 19. Mai 2009 ging das EduCamp in Ilmenau in seine dritte Runde. Wie die Silbe “Edu” die den Platzhalter “Bar” ersetzt, schon nahelegt, war es ein Barcamp mit speziellem Fokus auf der Nutzung von Social Software wie Weblogs, Podcasts, Wikis, Microblogging, VoIP etc. im Bildungskontext (Schulen, Universitäten, Unternehmen…).

    Der Ablauf

    Zuerst muss man  einmal festhalten, dass die Organisation rundum erste Sahne war. Jeder EduCamper bekam zu Beginn ein EduCamp-Badge mit einem Namensschild, einem Info-Folder über den Grobablauf  der kommenden Tage, sowie einen persönlichen Sessionplaner incl. Bleistift, um den Überblick nicht zu verlieren. Public WLAN gabs selbstverfreilich auch ;)

    Für ein BarCamp recht untypisch, jedoch in guter EduCamp-Tradition, gab es Freitag Abend eine Podiumsdiskussion mit ausgewählten Experten. Während mir persönlich die Podiumsdiskussion auf dem ersten EduCamp im April 2008 noch sehr gut gefiel, litt sie in diesem Jahr etwas an den doch recht eingeschränkten Englischkenntnissen vieler Teilnehmer, welche einer wirklich dynamischen und tiefgreifenderen Diskussion im Wege standen. Trotzdem war die Diskussion impulsgebend und nach Ende gab es wieder ein vorzügliches Buffet, welches  in loungigem Ambiente des Humboldtbaus der TU-Ilmenau jedem offen stand.

    So klang der erste Tag in interessanten Gesprächen und gegenseitigem kennenlernen bei einem gemütlichen Bier aus. Samstags ging es dann im üblichen BarCamp-Stil weiter. Also mit Vorstellungsrunde und anschließenden Sessions á 45 Minuten. Nach Ende der Sessions um 16:45 gabs lockeres Zusammensitzen und Abendessen im Untergeschoss des Humboldtbaus. Wer wollte konnte abends noch auf die Party im BD-Club gehen, wo ein Lifekonzert gepaart mit Cocktailschlürfen angesagt war. Auch am Sonntag gab es nochmals einige Sessionrunden, wobei nach und nach viele Teilnehmer wieder den Heimweg zurück in die Zivilisation außerhalb des Thüringer Walds antraten.

    Die Teilnehmer

    Mir blieb der Eindruck, dass sehr viele Lehramtstudenten, Lehrer und sonstige Pädagogen anwesend waren. Dem Themenschwerpunkt des Educamps kam dies sehr entgegen, da Gespräche und Diskussionen nicht auf einer allzu technischen, sondern eher pragmatischen und praxisorientierten Ebene stattfanden. An dieser Stelle will ich auf die sehr engagierte MaschendrahtCommunity hinweisen, die sich mit Unterrichtsmethoden im Web 2.0, der Öffnung des Unterrichts und öffentlicher Wissenschaft außeinadersetzt. Angesprochen sind vor allem Lehrer, Studenten, Dozenten und alle am Thema Bildung interessierten.

    Was mir besonders hängen blieb

    Mir persönlich entstand der Eindruck, dass  eines der prominentesten Themen des Wochenendes  der Microbloggingdienst Twitter war. Von einer Einführungssession ins Microblogging, über die Anwendungsszenarien in der Lehre, bis hin zur Kommunikation der EduCamper untereinander war die “Twittermanie” quasi omnipresent.

    EduCamp-TV

    Einen Teil der Sessions gab es via Mogulus als Livestream. Wer nochmal schauen will kann das immer noch tun, wenn er diesem Link folgt.

    Resümee

    Wie bisher nach  jedem Barcamp bin ich in meinem Denken wieder ein Stück weiter gekommen. Durch das direkte Gespräch bleiben doch oft mehr Eindrücke zurück, als von einem Blogbeitrag oder allgemein von Geschriebenem. Außerdem ist es super den Leuten mal live über den Weg zu laufen, die man sonst nur aus seinem Twitterverse, oder sonstiger Onlineaktivät kennt. Danke an alle EduCamper. War wieder eine tolle Veranstaltung und ich freu mich auf das vierte EduCamp in Graz von 6. -7. November 2009.

    Hope to see you all there

    April 19th, 2009 | Tags:

    DNAdigital hat im Januar ein Interview mit Professor Peter Kruse geführt. Er äußert sich zu zunehmender Komplexität im Alltag (Leben, der Welt), Netzwerke, den Unterschied von Schwarm- und kollektiver Intelligenz. Weiterhin über einen technikinduzierten wertewandel und Herausforderungen für die Zukunft. Außerdem schwingen noch massenhaft weitere Themen mit.. Aber am besten schaut man es sich an. Ich habe zuerst das Transkript des Interviews gelesen und war sehr beeindruckt und inspiriert. Für alle die es nicht lesen wollen gibt es aber auch das Video dazu. viel spaß beim schauen und last euch von der Weisheit dieses Mannes inspirieren ;)

    April 11th, 2009 | Tags:

    An dieser Stelle nochmal eine kleine Einführung für alle jene die nicht wissen was genau sie sich unter einem Barcamp vorstellen sollen. Um eine Idee davon zu bekommen was das eigentlich ist, erklärt es der elektrische Reporter in in folgendem Video zum Barcamp Köln.

    Außerdem noch ein YouTubeVideo auf Englisch in welchem einige Leute beschreiben was für sie genau ein Barcamp bedeutet.

    Ich hoffe alle Unklarheiten sind ausgeräumt, aber das werden Sie wohl erst sein, wenn man selbst mal da war ;)

    April 2nd, 2009 | Tags: , ,

    Nach langer,  fast auf den Tag 2 monatigen, Pause jetzt mal wieder ein Update von mir. Nach einem persönlichen und kreativen Durchhänger im Februar plus viel zu viel Arbeit im März, habe ich nun mal wieder Zeit und Motivation (und vor allem einen Anlass) gefunden einen neuen Artikel zu schreiben.

    Wie  schon an früherer Stelle erläutert will/werde ich mich in meiner Abschlussarbeit mit den Potentialen von Barcamps beschäftigen. Nachdem das Thema zwischenzeitlich in Frage gestellt, verworfen und völlig aus den Augen verloren ging,  habe ich den roten Faden wieder gefunden. Ein Gespräch mit meinem Betreuer, der ganz nebenbei noch ein ehemaliger Kommilitone von mir ist, machte mir wieder Mut mich mit dem Thema zu beschäftigen.

    Nochmals zur Wiederholung die zentrale Forschungsfrage:

    Welche Bedeutung und welche Potentiale hat das innovative Konferenzformat BarCamp bezüglich Entstehung, Erhalt und Erfolg von Online-Wissensgemeinschaften (Knowledge communities) im Internet?

    Das theoretische Grundgerüst der Arbeit soll sich grob aus 3 Bereichen zusammensetzen.

    Zur Beschreibung von Wissensgemeinschaften (online und offline) , soll das von Etienne Wenger begründete Konzept der Community of Practice dienen.

    Weiterhin soll die Theorie des Konnektivismus Eingang finden. Dieser wird von  George Siemens als “Lerntheorie für das digitale Zeitalter” beschrieben. Interessant daran ist die Tatsache, dass Siemens explizit auf die Bedeutung der gegenseitigen Vernetzung eingeht und diese “Bildung von Konnektionen” als Kernkompetenz in der zukünftigen Wissensarbeit sieht.

    Außerdem soll der Ansatz der “kollektiven Intelligenz” unterstützend hinzugezogen werden.

    Das Exposé ist fertig und hoffentlich kann ich in den nächsten Tagen dann auch richtig anmelden. Falls mehr Interesse an detaillierten Informationen bzw.  dem kompletten Exposé besteht so teile man dies bitte mit ;)

    Ich halte euch auf dem laufenden

    Februar 2nd, 2009 | Tags:

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    Februar 1st, 2009 | Tags: , , ,

    Am Samstag hat es mich also wie angekündigt auf das Afrikacamp in Wien gezogen. Dem ersten Barcamp rund ums Thema Afrika. Das Camp fand auf dem Gelände der Walz im 14. Bezirk statt. Nachdem wir um gegen halb 11 ein bisschen zu spät dort eintrafen kamen wir gerade pünktlich zur Vorstellungsrunde

    Schon hier konnte man einen ersten Eindruck von der Gruppenzusammensetzung kommen. Ein großer Teil der anwesenden hatte einen recht starken Bezug zum schwarzen Kontinent. Viele hatten schon mehrere, teilweise längere Afrikaaufenthalte hinter sich, und sind in NGO´s verschiedener Größe aktiv. Besonders in Erinnerung ist mir persönlich das Laafi-Projekt mit und um Veranstalter Helge Fahrnberger, der seit vielen Jahren aktiv an verschiedenen Projekten im westafrikanischen Burkina Faso arbeitet.  Außerdem das Netzwerk ICT4D.at. Aber natürlich waren auch viel viele andere NGO´s mit nicht weniger interessanten Projekten vertreten. Mehr Infos darüber sind in den  Session-Wikis zu finden.

    Wiederkehrende Themen waren vor allem WEB 2.0 für NGO´s im Sinne von Fundraising, Wissenstransfer und natürlich die Vorstellung einzelner Projekte, sowie  Austausch von Erfahrungen bezüglich der Besonderheiten Arbeit in afrikanischen Ländern.

    Auch sehr interessant die Übertragung des Francise-Modells a lá McDonalds auf die Entwicklungsarbeit. Im konkretem Beispiel ging es um “Franchise-Apotheken” in Kenia. Auf den ersten Blick und in der Session kam mir die Idee echt sehr spannend und auch einleuchtend vor. Referentin dazu war Valerie Hackl, ebenfalls Mitorganisatorin der SocialBar, einer wiederkehrenen barcampähnlichen Veranstaltung rund um das Thema Social Entrepreneurship.

    Eindrucksvoll war für mich vor allem das Engagement und die Menge an Herzblut die die Teilnehmer in ihre Projekte stecken. Ob es nun das OpenstreetMap Projekt ist, welches Karten von afrikanischen (Groß)Städten zur Verfügung stellt, die Arbeit in größeren NGO´s wie dem YMCA und ICT4D.at, oder  die Idee einer neuen “Handy-Ökonomie” in Südafrika.

    Abschließend ist zu sagen, dass ich wieder viel neues Wissen in mich aufnehmen konnte und mein Horizont nun wieder ein Stückchen breiter ist. Außerdem höchsten Respekt vor jedem, der einen großen Teil seiner Freizeit einsetzt, um vielen Menschen  ein besseres Leben zu ermöglichen.